Album “off” und “Out Of Office” Konzert von Alligatoah
Nachdem wir 2023 gleich auf zwei Konzerten von Alligatoah waren, in Leipzig und in Erfurt zu seinem Album “Rotz und Wasser”, bliebt es auch nicht sehr lange ruhig um ihn – obwohl es so angedeutet schien. Wie im letzten Blog-Beitrag berichtet, sollte 2023 eigentlich das letzte Jahr von Alligatoah sein – zumindest hatte er dies 2013 in seinem “Trauerfeier Lied” so vorhergesagt. Auch die Inhalte auf all seinen Social Media Kanälen wurden gelöscht. Aber am 03.12.2023 hat er dann doch eine Single mit “So raus” veröffentlicht, die auch Hinweise auf ein neues Album UND eine neue Tour beinhaltete. Das Lied hat er mit Fred Durst produziert, bekannt als Frontmann von Limp Bizkit. Das sollte auch die Einleitung zum neuen Album sein: Es soll in die Richtung Rap und Metal gehen. Über die Wochen kam dann noch eine Cover-Version von “Daylight” raus und ein Teaser zu drei neuen Lieder auf dem Album.
Anfang des Jahres wurde dann die Tour “Out of Office” angekündigt, die dieses mal nur aus vier Standorten bestand: Konstanz, Halle, Köln und Berlin. Wie später aber bekannt gegeben wurde, wird diese in 2025 fortgesetzt. Da Halle zu für uns am naheliegendsten war, haben wir dann direkt Karten dafür im Juli bestellt. Schön dabei war, das man direkt das Album dazu mit den Karten zugeschickt bekommt, wenn es im März erscheint. Und so kam dann auch gegen Ende März das Päckchen mit Album und den Karten bei uns an. Lustig bei den Karten ist, wie simple Stockimage-Fotos aus Büros dafür verwendet wurden.

Das Album hat wie sein Vorgänger wieder 12 Lieder. Es fühlt sich trotzdem “weniger” an, weil es einen reinen Cover-Song hat und auch die restlichen Lieder eher kürzer wirken. Wie im zuerst erschienen Lied “So raus” schon angedeutet, soll das Album eher eine Hommage an die 90er, 2000er und deren Rap und Metal Songs sein. Es wirkt weniger sozial-kritisch und viele Stellen der Lieder sind geschrien. Im Folgenden werden aber hier erst einmal alle Lieder aufgelistet mit ihren Verlinkungen zu Youtube.
- Ich fühle Dich
- Niemand
- Weiße Zähne (feat. Bausa)
- Wer lacht jetzt
- So raus (feat. Fred Durst)
- Scheißdreck
- Menschliches Versagen (feat. Guano Apes)
- Küssen
- Es kratzt
- Ich ich ich
- Partner in Crime
- Daylight
Es ist schwer hier ein Ranking der Lieder zu machen, wie ich es vergleichsweise bei den Ärzte-Alben gemacht habe. Die Lieder sind zwar im Grunde nicht schlecht, aber der Metal-Aspekt, welcher sich durch alle Lieder zieht, ist einfach nicht das, was man von Alligatoah bisher gewöhnt ist. Wenn man aber doch ein paar gelungene Lieder hervorheben möchte, so könnte man “Scheißdreck” nennen. Dieses Lied ist zwar mit gerade mal 2 Strophen recht kurz, aber der Gedanke auf Datenschutz zu bauen mit Beispielen, in denen Daten zwangläufig genannt werden müssen (wie die Wahl des Essens einer Speisekarte im Restaurant oder im Massagesalon zu sagen, welche Körperstellen schmerzen) ist doch recht lustig. Das Lied “Ich ich ich” ist schön eingebildet (wie man es eher von Alligatoah Songs kennt) und die bereits bekannte Single “So raus” ist auch melodisch gut getroffen, wie man es z.B. von Limp Bizkit oder aber auch Linkin Park erwarten würde. Interessant ist “Niemand” mit “Du sagst: ‘Was glaubst du, wer du bist?’ Ich sag: ‘Wer bist du, dass du glaubst?‘” oder “Es kratzt”, wo er einen Hypochonder darstellt, der am Ende singt “Es gibt nur ein Kraut, das mich heilt: Aufmerksamkeit“. Die restlichen Lieder wirken zum Teil etwas verquer und eher unverständlich geschrien als gesungen… aber haben hier und da auch eine interessante Message.
Der Juli kam immer näher und in der Zwischenzeit waren wir auf einem Konzert von ok.danke.tschüss, einer ehemaligen Vorband von Alligatoah. Der Hype war groß, nur leider sagte der Wetterbericht nichts Gutes voraus. Das Konzert sollte auf der Freilichtbühne Peißnitzinsel stattfinden, aber schon seit Tagen regnete es fast unentwegt durch und der Samstag, an dem das Konzert stattfinden sollte, wurde als schlimmster Tag prognostiziert – wenn auch ohne Gewitter. Wir haben uns also wieder ein Teilauto geschnappt und sind die ca. 1,5 Stunden nach Halle gefahren. Auf den Weg dahin sah es ab und zu so aus, als ob ein paar weiße Wolke durchkommen… aber das Gegenteil passierte. Es wurde immer dunkler und als wir am Parkplatz ankamen, ein Park and Ride etwas nördlich von der Konzertlocation, hat es geschüttet wie aus Eimern.
Auf der Hinfahrt und am Parkplatz selber haben wir schon die ersten anderen Konzertbesucher*innen gesehen, die mit Schirm, Regenjacke oder auch ohne Regenschutz Richtung Konzert gegangen sind. Im Auto haben wir noch unser Abendessen gegessen, welches wir mitgenommen haben. Schließlich war es schon kurz nach 18 Uhr und wir haben gehofft, dass in der Zeit in der wir essen würden, der Regen noch etwas nachlassen würde. Das war leider nicht der Fall. Also haben wir uns unsere billigen Regenponchos übergeworfen. Nathalie meinte, dass es wegen der Wärme reicht ohne Jacke unter dem Poncho zu gehen. Da ich aber den Poncho nicht direkt an meiner Haut haben wollte, um darunter zu schwitzen, habe ich dennoch eine dünne Jacke noch mal darunter getragen. Das Problem war auch weniger die Jacke am Ende, sondern dass der Poncho zu kurz für mich und der Regen zu stark war, sodass meine Dreiviertelhose unten nass wurde und ich meine Sachen aus den Hosentaschen in die Jacke umlegen musste.
Der Weg zur Freilichtbühne Peißnitz dauerte nur ca. eine Viertelstunde, wurde aber durch den starken Regen und die bereits sehr großen Pfützen erschwert. Unsere Schuhe waren schon nach wenigen Minuten komplett durchnässt. Als wir vor dem abgesperrten Bereich angekommen sind, gab es schon die ersten Getränkestände und Toilettenhäuschen. Wir sind also vor dem langen Konzert noch einmal aufs Klo, aber haben uns wieder, wie bei den letzten Konzerten, entschieden keine Getränke zu kaufen, sondern uns gegebenenfalls am Ende nur einen der exklusiven Alligatoah-Becher zu holen. Hinter dem Einlass waren noch ein paar andere Fress- und Getränkestände. Ebenfalls sahen wir den Merchandisestand. Dort gab es aber kein Tour-Shirt und auch die anderen Artikel brachten uns wenig, weshalb wir diesmal den Kapitalismus nicht förderten und weiter bis zur Bühne gingen.
Der Boden im Zuschauerbereich war durch den starken Regen sehr schlammig. Zum Glück gab es aber ein paar Steinplatten, wenn man näher Richtung Bühne kam, auf denen man besser stehen konnten. Und hier, knapp zehn Metter vor der Bühne, sind wir auch stehen geblieben und haben gewartet, bis es mit der Show losgeht. Das Wetter hatte sich etwas gebessert und es hat überwiegend nur leicht geregnet oder genieselt. Den Regenponcho zu tragen war zwar weiterhin sinnvoll, aber Hut oder Kaputze waren kaum noch nötig. Auch wenn wir selber keinen Alkohol trinken oder rauchen, war es doch lustig die Gesänge um uns zu hören, wie “Hast du etwas Gras für mich, dann dreh ich einen Joint für dich.” (mit der Anfangsmelodie von 99 Luftballons) oder “Wir müssen aufhören weniger zu trinken!”. Später wurde dann aber auch das Intro von der Gummibärenbande oder Spongebob gesungen, wo wir mitgemacht haben.
Gegen 19 Uhr kam dann die Vorband auf die Bühne. Es handelte sich um die Band TBS (The Butcher Sisters). Recht schnell hat sich herausgestellt, dass man die Band am besten zusammenfassen könnte als Rock für den Ballermann. Die meisten ihrer Lieder hatten tatsächlich einfach nur das Thema Bier. Dennoch waren die Lieder grundsätzlich nicht schlecht und haben dem Publikum gut eingeheizt. In der Mitte wurde dann auch ein Bananenboot in die Menge geworfen, auf welches einer der Sänger später sogar aufsprang und weiter sang.
Im späteren Nachforschen zu der Band, hat sich herausgestellt, dass diese nicht nur live sondern auch auf Youtube ganz lustig sind. Sie haben ebenfalls einen VLOG gemacht, wie sie als Vorband zu Alligatoah auftreten. Hier wird lustigerweise alles von einem Erzähler übersprochen, wie als ob sie Englisch oder etwas anderes reden würden. Das macht die Videos wirklich unterhaltsam. Dennoch, im Gegensatz zu ok.danke.tschüss, würden wir nicht extra auf ein Konzert von dieser Band gehen.
Nach der Vorband wurde dann die Bühne umgebaut. Dabei wurden all die Laken von den Möbeln entfernt, sodass man erkennen konnte, dass es sich um Büroinventar handelt. Nach einer Weile kamen endlich die Bandmitglieder auf die Bühne und das Lied “Stay in Touch” vom letzten Album wurde abgespielt. Am Bildschirm im Hintergrund hat man dann Alligatoah gesehen, wie er live vom Mond auf die Erde fällt. Nachdem das Lied dann zur Hälfte lief, ist er dann von der Decke auf die Bühne runtergekracht (war natürlich nur eine Puppe), aber das war schon lustig. Leider konnte ich diesen Beginn des Konzerts nicht aufnehmen. Aber jemand anderes konnte auf der gleichen Tour, wenn auch in Konstanz, den Opening Act aufnehmen:
Nach dem Opening Act kam dann auch schon eins von Nathalies Lieblingsliedern: “Weiße Zähne”. Dieses hatte ich dann auch mit der Vorrede aufgenommen.
In der ersten Hälfte des Konzerts wurden dann auch erst einmal nur Lieder aus dem neuen Album vorgespielt. Hier habe ich dann nur kleinere Aufnahmen zwischendurch gemacht (deswegen im Hochformat), damit ich sie dann auch im Whatsapp-Status oder ähnlichem teilen konnte.
Eins meiner Lieblingslieder vom neuen Album, “Scheißdreck”, wurde dann auch performt und ich konnte es voll mitschneiden.
In der zweiten Hälfte wurden dann auch alt bekannte Songs abgespielt, aber in einer mehr Metal-artigen Version, damit es dem neuen Album entspricht. So konnte ich “Du bist schön” und “Willst du” aufnehmen.
Nach ungefähr zwei Stunden war dann auch dieses Konzert vorbei und die Band hat sich von der Bühne verabschiedet. Alligatoah selber ist als erster von der Bühne gegangen, damit man über den Hintergrundbildschirm sehen konnte, wie er mit einem Jetpack wieder zum Mond zurück fliegt.
Wie bereits erwähnt, war das Wetter während des Konzerts sogar den Umständen entsprechend in Ordnung gewesen – es hatte nur noch genieselt. Wir sind von der Nähe der Bühne wieder zurück zum Eingang des Festivalbereichs gegangen. Dabei sind wir durch so dicken Schlamm gelaufen, dass unsere Schuhe fast darin festhingen. Wir waren froh während des Konzerts weiter vorn festen Boden gehabt zu haben. Zum Schluss haben wir noch ein paar andere Gäste gefragt, ob sie uns einen Becher für das Pfand verkaufen, den sie eh gerade zurück geben wollten. Das ist praktisch unser “Souvenir” des Konzerts gewesen.
Es war tatsächlich schon tiefste Nacht und der Park war kaum beleuchtet. Aber mit dem Handylicht in der Hand haben wir zurück zum Parkplatz gefunden. Der Regen hatte in der Zwischenzeit schon ganz aufgehört. Vom Parkplatz aus hat es dann noch etwas gedauert, bis wir ganz aus der Stadt rauskamen, weil gerade viele von der Parkfläche aus losgefahren sind und es sich an Kreuzungen gestaut hat. Interessant war, dass, als wir um die 5 Minuten aus der Stadt rausgefahren waren, es wieder brutal mit Regnen angefangen hat. Wir hatten also wirklich Glück, dass es während des Konzerts noch so vergleichweise gut ausfiel.
Im Rückblick lässt sich wieder sagen, wie cool die Konzerte von Alligatoah sind und gut, dass wir trotz stürmenden Regen die Veranstaltung nicht für uns abgesagt haben. Obwohl das neuste Album nicht ganz mit seinen Vorgängern mithalten kann, waren doch die Songs und die neuen Metal-Versionen der alten Lieder echt erfrischend und die Bühnenperformace war sehr gelungen.
