Reisen

Kuba (2022)

Havanna

Das erste was man wahrnimmt, wenn man in Kuba aus dem Flugzeug steigt, ist das Klima. Es war heiß und vor allem war es schwül. Es fühlte sich in etwa so an, als würde man nach einer langen heißen Dusche im Badezimmer stehen. So gingen alle schnellen Schrittes in das Terminal-Gebäude. Wir hatten Glück, denn an dem Tag funktionierte dort sogar die Klimaanlage, was keine Selbstverständlichkeit ist. Die nächsten Schritte waren für kubanische Verhältnisse zunächst erstaunlich unkompliziert. Eine Dame kontrollierte die Gültigkeit unserer Gesundheitserklärung bevor wir uns einreihten zur Passkontrolle. Dabei wurde auch von jeder Person einzeln ein Foto gemacht. Als nächstes wurde unser Handgepäck durchleuchtet und wir konnten unsere aufgegebenen Reiserucksäcke vom Fließband einsammeln. Währenddessen schwank draußen das Wetter von der einen zur nächsten Sekunde um – typisch Karibik. Wo vor wenigen Minuten noch die Sonne gnadenlos auf einen herabschien, war nun ein tropisches Gewitter. Wir nahmen unsere Rucksäcke und traten raus in den, zum Glück noch überdachten Bereich, vor dem Gebäude. Wie es so üblich ist, warteten schon einige Taxifahrer auf einen. Wir beschlossen aber zunächst für die Taxifahrt Geld zu wechseln. Uns war klar, dass der Wechselkurs nirgends so schlecht war wie am Flughafen, aber wir wollten ein paar Pesos für das Taxi und die Unterkunft, die wir in Bar bezahlen mussten, in der Tasche haben, bevor es weiter ging. Dies war letztendlich total sinnlos, da der Taxifahrer sowieso Euros wollte. Eigentlich wollten wir uns noch SIM-Karten für unsere Handys holen, aber der Laden hatte leider geschlossen.

La Habana Vieja

Unsere Unterkunft war eine Casa Particular im Herzen von Habana Vieja, der historischen Altstadt. Historische Altstadt klingt erstmal sehr malerisch, ist aber noch nicht einmal ansatzweise mit anderen historischen Altstädten, wie z.B. Weimar, zu vergleichen. Schon als ich mit meinen Eltern auf Kuba war, wirkten die Gebäude alt und kaputt und leider hat der Zahn der Zeit der Stadt nicht gut getan. Nun wirkte alles noch mehr zerfallen. Viele Häuser wirkten unbewohnbar und doch lebten dort Menschen. An anderen Häusern stand immer wieder geschrieben “Se Vende”, zu verkaufen. Kuba erlebte gerade einen Exodus. Später erfuhren wir, dass Schleuser*innen einen für 10.000 US-Dollar nach Nicaragua brachten von wo aus sich die Kubaner*innen dann über Mexiko bis in die USA versuchten durchzuschlagen. Dies gilt im Land als der sicherster Weg aus dem Land zu fliehen. Es gibt auch noch eine nennenswerte Anzahl an Menschen die versuchen zum Teil mit selbst zusammengezimmerten Booten über das Wasser Miami zu erreichen, doch die Meisten von ihnen ertrinken unterwegs. Andererseits sind 10.000 US-Dollar ein horrender Betrag in einem Land, in dem das monatliche Durchschnittsgehalt bei ca. 160€ liegt. Die Leute verkaufen also alles was sie besitzen, um zu fliehen und dazu gehören eben auch ihre Häuser. So verbirgt sich hinter fast jedem “Se Vende”-Schild der Wunsch auf ein besseres Leben.

Unsere Unterkunft sah von außen eher unscheinbar aus, war von innen jedoch wirklich ordentlich und etwas kitschig mit Bildern der drei Töchter der Besitzer dekoriert. Die Besitzer waren Yodanis, eine leicht stämmige Kubanerin mit langen schwarzen Haaren, und ihr Mann Jensen, der meistens mit einem Feinripphemd bekleidet in der Küche saß und stets gut gelaunt war. Die gute Laune kam wohl auch daher, dass wir die einzigen Gäste in der Unterkunft waren. Touristisch gesehen schien auf Kuba nicht viel los zu sein und so waren die Leute froh überhaupt Gäste bei sich begrüßen zu können. Endlich auf unserem Zimmer schmissen wir unser Gepäck auf den Boden und fingen an uns einzurichten, als es kurz darauf klopfte. Vor der Tür stand Yodanis mit zwei frisch gemixten Piña Coladas, einen Willkommensgeschenk. Eigentlich trinken wir beide kein Alkohol und eigentlich war es, so erschöpft wie wir waren, sicherlich keine Idee als erstes den kubanischen Rum zu verkosten, aber andererseits waren wir ja im Urlaub und warum dann nicht doch mal ausprobieren? Ich bedankte mich und Yodanis hatte wirklich nicht am Rum gespart, sodass einem das Glas direkt in den Kopf stieg – Willkommen in der Karibik, willkommen in Kuba!

Wir spazierten dann noch am gleichen Abend etwas durch die unmittelbare Umgebung, die eigentliche Erkundung der Stadt sollte aber am Folgetag geschehen. Wir hatten in mehreren Reiseberichten den Tipp erhalten in den Casa Particulares Frühstück hinzu zu buchen und das aus gutem Grund. Es gab Brot, frische tropische Früchte, ein Salat aus frisch gepflückten Avocados, Kaffee, frisch gepresster Saft und alles was man sich nur wünschen kann. Normalerweise kostet so ein Frühstück ca. 5€ pro Person, in Havana waren es 10€, was wir darauf schoben, dass es nun einmal die Hauptstadt war und es da ja in der Regel teurer ist.

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Internet und Warteschlangen

Unser erstes Ziel an dem Tag sollte der Etacsa Laden sein. Etacsa war der Telekommunikationsanbieter Kubas und wir wollten dort SIM-Karten kaufen. Dazu muss man wissen, dass das mit dem Internet in Kuba anders funktioniert als in den meisten anderen Ländern dieser Welt. Normalerweise bekommt man in den Unterkünften das W-LAN Passwort und kann direkt online gehen. Auf Kuba gab es zwar W-LAN, aber das Konzept war ein gänzlich anderes. An großen Plätzen und in Parks gab es W-LAN Hotspots. Um diese nutzen zu können, musste man sich vorher in einem Etacsa-Laden Codes kaufen. Hat man sich mit mit einem der W-LAN Hotspots verbunden, so wurde man aufgefordert den Code einzugeben und konnte dann, je nachdem für wie lange der gebuchte Code gültig war, für eine Stunde oder länger im Internet surfen. Dieses System hatte einige Nachteile, angefangen davon, dass die Etacsa-Läden sehr begrenzte Öffnungszeiten hatten, sodass man häufig vor verschlossener Tür stand. Ein viel größerer Nachteil war, dass die Läden auch nur ein begrenztes Kontingent an Codes pro Tag herausgaben. Gewiefte Kubaner*innen kamen also schon früh morgens zu den Läden um die Codes leer zu kaufen. So waren die Codes in den Etacsa-Läden in Null Komme Nichts ausverkauft und die Leute konnten die Codes auf der Straße zu einem teureren Preis weiter verkaufen. Zum Glück hatte Kuba seit neusten auch ein Mobilfunknetz und es gab spezielle SIM-Karten für Tourist*innen, um nicht ständig früh morgens zu den Etacsa-Läden rennen zu müssen. Die touristischen SIM-Karten hießen CubaTur und man konnte sie für 1000 CUP (kubanische Pesos) erwerben. Mit so einer SIM-Karte konnte man dann verschiedene Daten-Optionen freischalten. Ich entschied mich für einen mittleren LTE-Tarif, Kevins Handy (ein Google Pixel) war jedoch für das kubanische LTE-Netz blockiert und so hatte er nur eine schlechtere 3G-Option.

Natürlich gab es vor dem Etacsa-Laden, wie vor fast allen Läden wo es etwas nennenswertes zu kaufen gab, eine Wartschlange. Schnell haben wir auch verstanden, wie die Warteschlangen in Kuba funktionieren. Man stellt sich nicht einfach an das Ende einer Schlange und wartet, sondern alle stehen wild durcheinander. Kommt man neu an und will sich ebenfalls anstellen, so ruft man einmal laut und deutlich “Ultimo” was so viel heißt wie “Letzter”. Im Idealfall gibt sich die Person, die als letztes hinzu gestoßen ist zu erkennen und man weiß, dass man nach dieser Person dran ist. Kommt nun die nächste Person und will sich anstellen, so ruft diese ebenfalls wieder “Ultimo”. Man hebt dann die Hand und kann dazu noch laut und deutlich “yo” rufen, was “ich” bedeutet. Manchmal wird man für einen besseren Überblick auch noch gefragt wer vor einem dran ist. Meistens reicht ein Handzeichen, oder die entsprechende Person meldet sich selbst zu Wort.

Wir hatten nun unsere erste Warteschlange gemeistert und hatten genug mobile Daten um zumindest unseren Familien schreiben zu können, dass wir gut angekommen sind. Nun sollte unsere Erkundung Havannas beginnen.

Zwischen Prunk und Zerfall

Wie bereits erwähnt, war Havanna sicherlich einst eine wunderschöne Stadt, doch die Sanktionen in Kombination mit einer Fehlwirtschaft haben ihre Spuren klar hinterlassen. Der Putz ist von den meisten der einst prächtigen Kolonialbauten abgefallen und während sich unten noch Ladenflächen befanden (von denen ein signifikanter Teil jedoch geschlossen war) oder sogar Leute wohnten, waren oben schon zahlreiche der Dächer eingestürzt. Das Leben spielte sich klar auf der Straße ab. Viele Leute saßen vor ihren Hauseingängen. Einige saßen einfach so da, starrten ins Leere oder unterhielten sich mit Nachbar*innen, andere hatten auf kleinen Hockern Gegenstände zum Verkauf platziert, wie Feuerzeuge oder Rasierklingen. Teilweise gab es Metergroße Pfützen auf der Straße, teilweise musste man aber auch Müllbergen ausweichen, die in der senkenden Hitze ihren unausstehlichen Gestank entfalteten. Manchmal sah man Straßenhunde und -Katzen in den Müllbergen nach Nahrung graben. Der Gestank der Müllberge kombinierte sich mit dem Geruch von Diesel der schlechtesten Qualität. Ja, es gab schon einige echt coole Oldtimer in Havanna und generell auf Kuba, aber einen Abgasfilter hatte wahrscheinlich keiner von ihnen. Dennoch wurden die Oldtimer gehegt und gepflegt, was einen praktischen Grund hatte: Den Kubaner*innen war bewusst, dass Tourist*innen begeistert von diesen Autos waren. So gab es die Oldtimer als Taxi oder auch in Form einer Stadttour immer gegen einen Aufpreis verglichen mit einem normalen Wagen. Mit normalem Wagen meine ich Autos, wie sie vor 10-20 Jahren bei uns gefahren wurden, und die wirklich im aller schlechtesten Zustand waren. Auch aus ihnen pustete der Auspuff den schlechtesten und billigsten Diesel in die Luft. In einer Seitenstraße stellten wir uns in den Schatten und ich nahm meine Wasserflasche aus meinem Rucksack um etwas zu trinken. Da rief mir auf einmal eine alte Frau etwas zu. Ich drehte mich zu ihr und sie hielt eine kleine leere Flasche in meine Richtung und fragte nach Wasser. Bei dem Anblick der Frau wurde mir ganz anders zu Mute. Es ist das eine, wenn Leute auf der Straße nach Geld fragten, aber die Frau bat um etwas so grundlegendes wie Wasser. Ich ging zu ihr und füllte ihre kleine Flasche auf. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht was all das wirklich zu bedeuten hatte.

Das Stadtbild änderte sich dramatisch, als wir uns dem Capitol näherten. Auf einmal wirkte alles um uns herum frisch renoviert. Die Gehwege waren sauber und die Straßen nicht mehr so eng, dass einem die ganze Zeit Diesel ins Gesicht geblasen wird. Wir konnten sogar die eine oder andere Gruppe an Tourist*innen (darunter auch die schreckliche Niederländische Familie aus unserem Flugzeug) erspähen, auch wenn deren Anzahl doch eher überschaubar war. Nach den obligatorischen Fotos spazierten wir die Straße weiter zum Malecon, der Promenade Havannas. Hier war es also, das Kuba von den Postkarten: Hübsche Kolonialbauten, Parks, Denkmäler und jede Menge Oldtimer.

Das echte Leben

Die pralle Mittagssonne knallte uns mittlerweile erbarmungslos auf unsere Köpfe. Es war knapp über 30°C bei einer Luftfeuchtigkeit von um die 90%. Einem fehlte förmlich die Luft zum atmen und natürlich waren wir durstig. So etwas wie einen Supermarkt hatten wir bislang nicht gesehen und wenn doch, dann gab es dort aber keine Wasserflaschen. Man muss dazu erwähnen, dass Sonntag war. Wir gingen also davon aus, dass es deswegen schwerer sei heute an Wasser zu gelangen. Fast schon am Malecon angekommen erspähten wir einen MLC-Store. Entgegen der Klischees waren die Regale gut gefüllt, jedoch war die Auswahl an Produkten mehr als überschaubar. Ganze Reihen waren mit ein- und demselben Produkt, z.B. riesige Dosen mit Tomaten, gefüllt und es ist fraglich wie man hier alle benötigten Zutaten für eine Mahlzeit zusammenkriegen soll. An Getränken gab es ein Regal welches aus kleinen 200ml Saftflaschen bestand. Außerdem gab es noch Rum. Von anderen Getränken, geschweige denn von Wasser, war weit- und breit nichts zu sehen und auch der Verkäufer erklärte mir, dass sie nur Saft da hätten. Ich kaufte also eine kleine Flasche Apfelsaft, um zumindest etwas zu trinken, während Kevin gar nichts kaufte, da er keine Lust hatte bei der Hitze noch etwas süßes zu trinken. Wieder draußen knallte uns die karibische Sonne ins Gesicht. Weit- und breit gab es keinen einzigen Laden mit Wasser. Einige Meter weiter standen zwei Polizisten. Zwecks Mangel an Alternativen marschierte ich auf die beiden Polizisten zu und bat sie mir zu erklären, wo wir an einem Sonntag Wasser herkriegen sollten. Einer der Polizisten deutete auf ein Restaurant. Es war zwar geschlossen, aber eine ältere Dame war gerade dabei den Eingangsbereich zu wischen. Der Polizist erklärte uns, dass wir die Dame fragen sollten ob sie uns Wasserflaschen verkaufen könne und tatsächlich verkaufte sie uns für 200 CUP pro Flasche zwei Flaschen durch die Tür hindurch.

Zufrieden gingen wir weiter zum Malecon, doch die Sonne war hier umso gnadenloser, zumal es direkt am Wasser auch nirgends ausreichend Schatten gab. Am Straßenrand boten einige Kutscher Stadtrundfahrten an. Wir sprachen einen von ihnen an und konnten für einen akzeptablen Preis eine Tour in der überdachten Kutsche machen. Das Pferd hieß übrigens Lolo 😉
Zu dem Kutscher gesellte sich noch ein Zigarre rauchender Guide, der uns auf englisch alles erklärte. Als es weg vom Kapitol und wieder zu einem unansehnlicheren Teil der Stadt ging, zeigte der Guide auf eines der halb-zerfallenen Gebäude. Vor dem Haus spielten Kinder, Nachbarn unterhielten sich und eine Frau hing auf dem Balkon Wäsche auf. “Schaut mal”, sagte er, “das ist das echte Leben”.

Am Ende der Tour setzte er sich vor uns und bat uns an Geld zu wechseln. Statt dem 1:20 Wechselkurz in Banken bot er 1:110. Wir wechselten vorsichtig 50€. Der Kurs war für den Schwarzmarkt gar nicht so unüblich, so wurde einem meistens irgendetwas zwischen 1:90 und 1:100 geboten. Andersrum war der 1:100 Wechselkurs so eine Art Standard auf der Straße: Kostete etwas z.B. 10€, so konnte man auch 1000 CUP bezahlen.

Zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, wie sehr unsere Suche nach Wasser und der Geldwechsel in der Kutsche “das echte Leben” in Kuba widerspiegelten…

Als nächstes ging es zum Revolutionsmuseum. Auch das ist Kuba. Hier konnte man alle möglichen Panzer und Kriegsfahrzeuge bestaunen in denen Fidel Castro oder Che Guevarra jemals drin saßen. Selbstverständlich strotzte das ganze Museum nur so vor Propaganda. Zudem war es nicht gerade groß, aber dennoch war es ganz interessant, da es ja trotzdem auch zu diesem Land dazu gehört, ob man will oder nicht und ob man es gut findet oder nicht.

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Castillo del Morro

Auf der anderen Seite der Bucht von Havanna sah man bereits von weitem das Castillo del Morro. Dabei handelt es sich um eine imposante spanische Festung. Der Tag war noch nicht vorbei und der Anblick der Festung lies in uns den Wunsch aufkommen diese zu besuchen. Die andere Seite der Bucht war von Habana Vieja lediglich über einen Tunnel zu erreichen. Einen Weg für Fußgänger*innen gab es nicht. Wir hielten ein Tuk Tuk an und fragten den Fahrer, ob er uns rüber bringen könnte. Er erklärte aber, dass sein Tuk Tuk den Tunnel nicht passieren darf, da dieser nur für PKWs freigegeben sei. Kurz darauf wurden wir direkt von einem Mann angesprochen, ob wir ein Taxi bräuchten. Generell wird man alle paar Meter angesprochen, wobei die Frage nach einem Taxi die wohl häufigste ist. Diesmal bejahten wir, was im Nachhinein ein Fehler war. Der Mann führte uns zu einem gelben ca. 20 Jahre alten herunter gekommenen Taxi. Kurz tuschelte er mit dem Taxifahrer und erklärte uns dann, dass die Fahrt 15€ kosten würde. Natürlich wollten die wieder Euros haben. Der Preis erschien uns viel zu hoch und wir versuchten auf 10€ herunter zu handeln. Nach einer längeren Diskussion handelten wir zumindest 12€ aus. Der Fahrer steckte dem Mann ein paar Scheine als Provision für die Kund*innen-Aquise zu, das war dann wohl unser Aufpreis. Er grummelte ein bisschen unzufrieden vor sich hin und ließ uns einsteigen. Die Fahrt fühlte sich an wie ein Verkaufsgespräch. Soll er uns nicht vielleicht noch in ein gutes Restaurant von einem Freund bringen? Wollen wir nicht noch eine Stadttour mit ihm machen? Brauchen wir Karten für die Tropicana Show? Wir staunten nicht schlecht, als wir nach ca. 3min Fahrt schon am Ziel angekommen sind. 12€ für 3min und zwar 3 nicht gute Minuten. Bevor wir ausstiegen, gab der Fahrer mir seine Handynummer und wiederholte mehrfach, dass wir ihn auf jeden Fall anrufen sollen, wenn wir zurück wollen. Er hatte sogar angeboten auf uns zu warten, aber ich machte ihm klar, dass wir wahrscheinlich eine sehr lange Zeit vor Ort verbringen würden und sich warten nicht lohnen würde. Als ich ihm das Geld passend in die Hand drückte, einen 10€-Schein und ein 2€-Stück, hielt er das 2€ Stück in die Luft und fragte uns ob wir nicht noch Geld wechseln wollen. Der lässt wohl nie locker. Ich verneinte und wir stiegen hastig aus. Bevor die Tür zu fiel rief er noch ein letztes mal: “Vergisst nicht mich anzurufen!”. Später erfuhren wir, dass die kubanischen Banken nur Euro-Scheine aber keine Münzen akzeptierten. Kubaner*innen versuchten gerne mal die Preise extra krumm zu gestalten, in der Hoffnung man würde einfach aufrunden, da sie keine Münzen akzeptierten. So erlebten wir es häufig, dass ein Essen im Restaurant am Ende 11€ kostete und man davon ausging, dass mehr als großzügig auf 15€ aufgerundet wird. Dem kann man normalerweise gut entgehen in dem man entweder den vollen Betrag oder aber den fehlenden Euro in CUP bezahlt.

Am Eingang des Castillos befand sich eine Kasse für den Eintritt, der aber nicht sonderlich teuer war. Neben der Kasse stand ein Mitarbeiter, der in extra deutlichem Englisch mit einer viel zu großen Theatralik in der Stimme erklärte, dass man für ein paar CUP mehr mit ihm auf den Leuchtturm drauf könnte, was eine einzigartiges und unvergessliches Ereignis im Leben sein sollte. Na ja, es war immer noch ein Leuchtturm, so hübsch er auch sein mag, so gibt es in meinem Leben eher andere Ereignisse, die ich als viel einzigartiges und unvergesslicher bezeichnen würde. Der Aufpreis war aber tatsächlich fair und so buchten wir doch die Tour. An der Kasse fragten wir auch, ob es hier irgendwo Toiletten gäbe, was bejaht wurde. Wir gingen rein und fragten das Personal dort nach Klos. Sie zeigten nur auf einen dunklen Bereich am Rande des Innenhofs, vor dem mehrere Leute saßen. Ihre Augen leuchteten auf, als sie uns sahen und sie kamen uns direkt entgegen. Hinter ihnen war auch schon ein Schild auf dem “Baño”, also Bad, drauf stand. Wir deuteten auf das Schild und sie erklärten uns, dass die Klos geschlossen seien, wir sollen aber zu ihnen rein kommen. In der Hoffnung dort ein funktionierendes Bad zu finden, traten wir ein nur um in einem langen Gang voller Verkaufsstände mit allen möglichen Souvenirs zu stehen. Wir gingen kurz den Gang entlang und sofort wurden sämtliche Händler*innen hektisch. Sie riefen uns zu, priesen ihre Waren an, wollten Geld wechseln und uns alles Mögliche andrehen. Ein Klo gab es aber auch hier nicht. Somit machten wir auf dem Absatz kehrt und verließen den Gang wieder so schnell wie wir hergekommen sind, ganz zum Unmut der Händler*innen, die wieder vor dem Gang platz nahmen. Dieser Bereich war wirklich suspekt, zumal das ja nicht mitten in der Stadt war, sondern in einem Museum für das wir Eintritt bezahlt hatten. Die Tour selbst war hingegen wirklich interessant. Der theatralische Herr vom Eingang erklärte uns ohne auch nur ein Mal die Dramatik in seiner Stimme zu reduzieren die Geschichte der Festung bevor er uns hoch führte auf den Leuchtturm. Auf der Aussichtsplattform war es extrem windig, jedoch bei der schwülen Hitze auf eine sehr angenehme Art und Weise und auch die Aussicht, die man von hier aus auf Habana Vieja und auf Vedado, das moderne Havanna, hatte, war wirklich hübsch.
Nach der Tour erkundeten wir die Festung noch ein wenig auf eigene Faust bevor wir den Rücktritt antraten. Nach kurzer Internetrecherche, die wir wohl schon vorher hätten machen sollen, fanden wir heraus, dass es einen Bus gab, der ebenfalls durch den Tunnel zurück in die Altstadt fuhr. Wir erkundigten uns an der Kasse nach der Bushaltestelle, die ca. 8min Fußweg entfernt war und marschierten los. Vor dem Castillo gab es noch ein paar Essens-Stände. Unter anderem gab es einen Stand mit frischen Kokosnüssen aus denen man trinken konnte. Dies war eine Sache, die ich hier in Kuba unbedingt noch probieren wollte. Dies war aber gerade einmal unser erster voller Tag und eigentlich wollten wir so langsam wirklich zum Bus und zurück, also sagte ich mir, dass wir noch genug solcher Stände sehen würden und wir gingen weiter. Tatsächlich sollte das der einzige Kokosnuss-Stand sein, den wir auf unserer gesamten Reise sehen sollten und ich kann mir nicht erklären wieso. Überall in Reiseberichten sieht man Leute aus Kokosnüssen trinken, aber wir hatten bis auf diesen einen Stand am ersten Tag keine weitere Gelegenheit dazu bekommen und es ist mir bis heute ein Rätsel.
Die Busfahrt dauerte ebenfalls nur 3min und kostete gerade einmal 2CUP. Was für ein Kontrast zu der Abzocke mit dem Taxi!

Zurück in der Altstadt setzten wir uns noch in ein kleines Café. Ich bestellte einen frischen Papayasaft und Kevin eine Limonada con hierbabuena, eine kubanische Minzlimonade. Danach ging es zurück in die Unterkunft. Wir hatten viel erlebt und wollten uns ausruhen. Da ich das Buch, welches ich mitgenommen hatte, bereits auf dem Hinflug durchgelesen hatte, tauschte ich es im Bücherregal in unserer Unterkunft mit einem polnischen Buch. In dem Buch ging es um einen Herrn der über seine zahlreichen Reisen nach Lateinamerika berichtete und das auf recht humorvolle Art und Weise. Leider fand ich später heraus, dass der Herr in Polen zu den Hardcore-Rechten gehört und ab da hatte ich dann keine Freude mehr daran es zu lesen. In einer späteren Unterkunft tauschte ich es dann wieder gegen ein anderes Buch.
Am Abend gingen wir dann noch einmal zur Plaza Vieja, um in einem Restaurant in einer Nebenstraße zu essen. Kevin hatte Hähnchenbrust mit schwarzem Reis und eine Malta, was nichts anderes als alkoholfreies Malzbier war, und ich hatte Reis mit Gemüse und Mangosaft. Eine Straßenkatze umkreiste uns und bettelte und neben uns saßen mehrere kubanische Frauen aller Altersklassen mit einem kleinen Baby, das leider nach kurzer Zeit ununterbrochen anfing zu brechen, was nicht gerade appetitlich war, aber wofür sie ja gewissermaßen auch nichts konnten.

Am Abend unterhielt ich mich kurz mit Jensen, denn eine Sache war uns an dem Tag ganz klar aufgefallen: Überall wollte man Euros und natürlich immer in bar. Was nun, wenn einem das Bargeld ausgehen sollte? Wir hatten 1000€ in bar mit, was nicht wenig war, man will ja auch nicht mit so viel Bargeld rumlaufen, aber was für 3 Wochen wahrscheinlich nicht ausreichend war. Jensen beruhigte mich und sagte mir, dass es bestimmte Bankfilialen gäbe bei denen wir uns am Schalter gegen Vorlage unserer deutschen Kreditkarten Euros auszahlen lassen konnten. Im Nachhinein hätte ich diesen Worten keinen Glauben schenken dürfen. Ich möchte ihm keine Bösartigkeit unterstellen, denn was sollte er davon haben uns so anzulügen, aber diese Aussage sollte noch ernste Folgen für uns haben…

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