Reisen

Kuba (2022)

Gestrandet in Santiago de Cuba

Nach einer sechsstündigen Fahrt kamen wir in Santiage de Cuba an. Einmal mehr war die gebuchte Unterkunft ca. 30min Fußweg vom Terminal entfernt. Santiagos Straßen verlaufen bergauf und bergab, ähnlich wie die Straßen von San Francisco. Auf dem Weg liefen Kinder auf uns zu. Sie sahen die angeblich reichen Ausländer*innen, blieben vor uns stehen, streckten uns die Hand entgegen und riefen “One Dollar!”. Wir hatten keine Dollar und auch sonst kein Bargeld und ein schöner Empfang war das nun wirklich nicht. Hinzu kam, dass Kevin sich unwohl fühlte. Sein Hals kratzte schon den ganzen Morgen und es schien sich eine Erkältung anzubahnen. Bloß kein Corona, dachte ich mir. Aber selbst wenn es Corona wäre, so hätten wir hier weder Test- noch Behandlungsmöglichkeiten gehabt. Hier gab es ja nichts… Wir kamen an einem hübschen Haus gegenüber der Geburtsklinik an. Ja, das sah gut aus, hier können wir bleiben. Wir betätigten die Klingel und nichts geschah. Ich klingelte noch einmal. Wieder nichts. Die Fenster waren verschlossen und vor der Tür war ein Gitter. Ich versuchte es mit Rufen: “Hallo, ist da jemand? Wir haben eine Reservierung!” Nichts. Wir schrieben den Besitzern über ein Buchungsportal eine Nachricht, aber es kam keine Antwort. Irgendwo fand ich online eine Handynummer und wurde stutzig, als ich merkte, dass die Nummer eine US-Amerikanische Vorwahl hatte. Über WhatsApp bekam ich schließlich eine Antwort: Das Haus sei gerade geschlossen, aber ihr Freund Carlos würde gleich kommen und die Sache klären und uns helfen. Carlos, auf diesen Namen hatten wir mittlerweile beide einen Hass entwickelt. Wir setzten uns auf die Stufen vor dem Haus und warteten, aber von Carlos war weit und breit keine Spur zu sehen. Aus dem Nachbarhaus kam ein Mann raus, um sich eine Zigarette anzuzünden. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn anzusprechen. Das Haus hier? Nein, da sei schon lange niemand mehr gewesen. Die Leute sind weg. Ich dachte an die US-Amerikanische Vorwahl. Weg heißt auf Kuba, dass sie in die USA geflohen sind. Irgendwie hatten sie es wohl geschafft. Zu allem Überfluss fing es noch an zu regnen und Kevin ging es immer schlechter, aber von Carlos fehlte noch immer jede Spur. Er käme gleich, versuchte mich mein WhatsApp Kontakt zu beruhigen. Schließlich, nach einer Stunde Wartezeit, setzte ich ihm ein Ultimatum von weiteren 15min, sonst würden wir weg gehen. Carlos kam nicht. Wir nahmen unsere Sachen und fanden Unterschlupf vor dem Regen in einem Bushäuschen. Von dort aus buchte ich ein AirBnB in unserer Nähe und wir liefen geradewegs dahin.

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Tony und Grisel

Kevin war krank, unsere ursprüngliche Unterkunft (und somit auch unsere Frühstückspläne) gab es nicht mehr und es regnete. Die Ausgangslage war Bescheiden. Klitschnass und müde kamen wir bei der Casa Colonial Grisel an. Dieser Ort sollte sich als absoluter Glücksgriff herausstellen. Das Haus gehörte einem sehr lieben kubanischen Ehepaar. Tony war ein dunkelhäutiger Mann dessen schwarze Haare langsam grau wurden. Grisel war kleiner als ich. Sie trug die Haare stets zu einem Zopf zusammen gebunden und hatte typische Hausfrauen-Kleider an. Während unserer Zeit hier habe ich sie kein einziges Mal das Haus verlassen sehen. Sie waren beide unglaublich freundlich und gaben sich größte Mühe mit ihren Gästen. Tony erklärte, dass sie uns gegen einen Aufpreis (den wir aber ablehnen mussten weil wir es uns nicht hätten leisten können) Frühstück anbieten könnten. Andere Mahlzeiten gingen gerade leider nicht, denn dafür fehlten die Nahrungsmittel. Um Wasser sollen wir uns auch keine Sorgen machen, denn Tony hatte jede Menge Wasser gebunkert, das wir ihm abkaufen können. Im Gegensatz zu Virgen und Boris, waren Tony und Grisel kinderlos. Auf Kinder, die ihnen Dollar zuschickten, konnten die Beiden nicht zurückgreifen, da sie kinderlos waren. Dies war wohl auch der Grund, dass deren Unterkunft eine der wenigen war, die selbst während COVID nie geschlossen hatte, da es ihre einzige Möglichkeit war an Devisen für die MLC Stores zu gelangen. Später erfuhren wir, dass Tony einen Bruder hat, der in Japan lebt. Tonys Eltern hatten früher auch Tourist*innen in ihrem zu Hause beherbergt. So hatte der Bruder eine Japanerin kennen und lieben gelernt. Nach ihrem zweiten Aufenthalt auf Kuba flog sie schwanger nach Japan zurück und mit einem unglaublichen Kraftakt schaffte es die Familie den Bruder nach Japan zu bringen, wo er nun glücklich mit seiner neuen Familie lebt. Da die Casa die Hauptlebensgrundlage von Tony und Grisel war, musste gewährleistet werden, dass immer mindestens eine Person zu Hause ist. Wenn es gerade keine Gäste gibt, muss man zur Stelle sein, falls jemand klopft. Wenn es gerade Gäste gibt, dann muss man zur Stelle sein, wenn sie das Haus verlassen und wieder zurück kommen wollten, da es anscheinend nur ein Paar Schlüssel gab, welches Tony besaß. Während Grisel also durchgehend zu Hause war, ging Tony zum Beispiel einkaufen. Da es Kevin nicht sonderlich gut ging und er den Tag wie auch die nächsten Tage größtenteils im Zimmer verbrachte, hielt ich mich viel im Hof oder in der Küche auf und unterhielt mich mit Grisel und wenn er da war auch mit Tony. Nach einiger Zeit erwartete Grisel mich schon immer mit frisch aufgebrühtem Kaffee (eines der wenigen Güter, die dank Eigenanbau reichlich verfügbar waren auf Kuba). Wir unterhielten uns über Kuba, über Deutschland, zeigten uns gegenseitig unsere Hochzeitsfotos und als Informatikerin löste ich auch einige Smartphone-Probleme für die Beiden. Es mag für Außenstehende etwas merkwürdig klingen, aber das absolute Highlight für die Beiden waren ihre Telenovelas. In Lateinamerika sind Telenovelas allgemein sehr beliebt. Hier auf Kuba hatten sie noch einen ganz anderen Stellenwert: Man strukturierte seinen Alltag danach und versammelte sich vor dem Fernseher. Die Telenovelas lenkten einen ab von den Problemen um einen herum. Während man sich übertrieben kitschig inszenierte Beziehungsdramen auf dem Bildschirm anschaute, vergaß man, dass der Kühlschrank leer war, dass man nicht wusste wie man an sauberes Wasser gelangen sollte oder aber dass das Gesundheitssystem vollkommen kollabiert ist und es Medikamente wenn überhaupt nur noch auf dem Schwarzmarkt gab. Leider war auch Santiago geprägt von mehrstündigen Stromausfällen. So war es leider nicht mehr gegeben, dass man jede Folge der Telenovela sehen konnte. Wenn also mal wieder der Strom ausfiel, saßen Tony und Grisel auf ihren Schaukelstühlen im Wohnzimmer und fächerten sich etwas Wind zu. Dabei sagte niemand auch nur ein Wort. Sie blickten beide einfach nur schweigend in die Dunkelheit. Während unserer Zeit in dem Land kam ein Tagesschau Artikel zu Kuba mit dem Titel “Insel der Traurigkeit” heraus. Nichts verkörpert diese Traurigkeit besser als Tony und Grisel in der Dunkelheit ihres Wohnzimmers.

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Nichst funktioniert in diesem Land

Langsam ging uns das stark begrenzte Datenvolumen auf unseren SIM-Karten aus. Kostenloses W-LAN kennt man auf Kuba nicht und so waren wir stets auf unsere mobilen Daten angewiesen. Ich war bereits eine Stunde vor Öffnung des ETECSA-Ladens (ETECSA ist der Kommunikationsanbieter auf Kuba) vor der Filiale und es waren bereits zahlreiche Leute da. Mit einem “Ultimo” machte ich mich bemerkbar und erfuhr so, dass eine Dame mit einem pinken Top vor mir dran war. Die meisten Kubaner*innen hatten keine mobilen Daten, sondern waren auf sogenannte W-LAN Codes angewiesen. Man konnte sich Codes für 30min, 1h oder sogar mehr kaufen und an W-LAN Hotspots, z.B. in öffentlichen Parks, einlösen. Natürlich wollen die Kubaner*innen ebenfalls das Internet (auch wenn es natürlich von Zensur geprägt ist) nutzen. Dies machen sich einige zu Nutzen indem sie früh morgens das begrenzte Kontingent an W-LAN Codes in den ETECSA-Läden leer kaufen, um die Codes dann in der Nähe der Hotspots teurer zu verkaufen. Obwohl ich eine Stunde vor Ladenöffnung schon da war, waren sämtliche Codes somit aufgekauft als ich dran war. Zum Glück wollten wir nur das Datenvolumen aufladen, sonst wäre es echt schwierig geworden. Auf dem Rückweg kaufte ich in einem MLC-Store eine Packung Saft und Dosenfrüchte für Kevin, der hustend und niesend im Bett lag. Während einer Pandemie, macht man sich da natürlich so seine Gedanken. Wir denken beide nicht, dass es Corona war, denn dafür wirkte es doch zu sehr wie eine eher harmlose Erkältung, aber wir waren natürlich beide durchgeimpft und Testmöglichkeiten hatten wir keine. Also blieb uns nichts übrig, als die Erkrankung auszusitzen. Mir ging es noch gut, aber ich hatte das ungute Gefühl, dass das nur noch eine Frage der Zeit war. Die allgemeine Stimmung in der Stadt machte es nicht besser. Die Leute sahen jemanden aus Europa und reagierten als wäre dort ein Geldautomat auf zwei Beinen. Da diese Person aus Europa eine blonde Frau war, kamen zu den allgemeinen Versuchen an Bargeld, welches ich nicht hatte, zu gelangen, noch sexuelle Sprüche und Pfiffe. Ich konnte noch nicht einmal die Straße überqueren, ohne dass mir irgendjemand etwas zurief. Da meine Laune sowieso im Keller war, kam es häufiger vor, dass es darin endete, dass ich die Leute auf der Straße wütend anbrüllte. Kubanische Leichtigkeit und Lebensfreude? Fehlanzeige! Die Armut und der Hunger haben die Leute gemein und hinterhältig werden lassen.

Unser ursprünglicher Plan war die weite Strecke von Santiago nach Havanna mit dem Nachtzug zu absolvieren. Wir wussten nicht inwiefern es möglich war die Zugtickets mit der Kreditkarte zu bezahlen, also machte ich mich, nachdem ich Kevin sein neu aufgeladenes Handy und seine Verpflegung gebracht hatte, los zum Bahnhof. Vor Ort wurde klar, dass die Art der Bezahlung keine Rolle spielte, da sämtliche Züge bis September ausgebucht waren. Na gut, dann halt mit dem Bus. Direkt daneben war das Viazul Büro. In dem Büro waren bereits einige Leute drin, sodass der Schalter belegt war. Ein Mann stand an der Tür und machte mir klar, mich auf eines der Sofas im Wartebereich zu setzen. Er schien wohl für Viazul zu arbeiten, denn er koordinierte die Warteschlange. Schließlich war ich dran. Ich ging zum Schalter und bat den Mann um zwei Tickets nach Havana für übermorgen. “Es gibt keine Tickets. Ausverkauft”, war die kurz angebundene Antwort des Mannes. Das war ungewöhnlich. Normalerweise haben wir sonst immer einen Tag vorher erst unsere Tickets gekauft und die Busse waren auch nie voll gewesen. “Und für morgen?”, fragte ich. “Ausverkauft.” “Für wann gibt es denn überhaupt wieder Tickets nach Havana?” Ich hatte das Gefühl, dass er zum ersten Mal wirklich im Rechner nachschaute. “09. August abends.” Das war zu spät! Unser Flieger aus Havana ging am 10. August und die Busfahrt von Santiago nach Havana beträgt ca. 20 Stunden! Ich bedankte mich und entfernte mich vom Schalter. Da sprach mich der Mann an, der die Warteschlange koordinierte. Er könne mich nach Havana bringen, auch schon übermorgen. Er hat ein Sammeltaxi, einen Colectivo. Für 70€ pro Person organisiert er uns einen Platz. Für 110€ pro Person sogar einen mit mehr Beinfreiheit. PayPal sei als Bezahlung möglich, das macht er. Jetzt erst wurde mir klar, dass der Mann gar nicht für Viazul arbeitete. Er lauerte hier auf verzweifelte Tourist*innen wie mich, um dann bei der Vermittlung von Colectivos von den Fahrern eine Provision abzustauben. Ich hatte ein ganz mieses Gefühl bei dem Typen, ließ mir aber trotzdem seine Handynummer geben. Er diktierte sie mir, streckte mir die Hand entgegen und mit einem dreckigen Grinsen stellte er sich als “Carlos” vor. Auf dem Rückweg tippte ich wie verrückt eine Nachricht an Kevin um ihm alles zu berichten. Was sollten wir nur tun? Da hatten wir nun extra unseren Flug umgebucht und jetzt würden wir ihn womöglich nicht erreichen? Eine letzte Option gab es noch: Cubana, die nationale Fluggesellschaft, hatte ein Büro in der Fußgängerzone. Wenn schon nicht auf dem Landweg, vielleicht würden wir dann mit dem Flugzeug rechtzeitig in Havanna ankommen? Hauptsache ich muss nicht zu Carlos in den Colectivo steigen. Es gab zwar ausnahmsweise gerade keinen Stromausfall, aber das Büro war trotzdem geschlossen. Auf einem Zettel hatte jemand “Kein Internet” drauf geschrieben. So viel dazu. Vollkommen deprimiert erreichte ich die Unterkunft. Tonys Eltern waren gerade zu Besuch und als Tony und Grisel mit so verzweifelt in ihrer Tür stehen sahen, machte Grisel mir einen Kaffee und forderte mich auf sich zu ihnen zu setzen und doch mal zu erzählen. Es sprudelte nur so aus mir heraus. Nein, Carlos Colectivo war keine Option. Es musste einen anderen Weg geben. Tonys Vater setzte sich ans Telefon und versuchte Leute anzurufen. Vielleicht hat ja jemand eine Möglichkeit uns nach Havanna zu bringen? Leider erfolglos. Wir schauten uns noch einmal online den Busplan an. Einer der Baustopps war der Flughafen von Havanna. Wenn wir mit dem Bus am 09.08. direkt von Santiago zum Flughafen fahren würden, so bestünde zwar ein gewisses Restrisiko, aber wir müssten unseren Flieger noch kriegen. Ich ging aufs Zimmer und besprach noch einmal alles mit Kevin. Ja, wir würden versuchen direkt von Santiago zum Flughafen zu fahren. Unser Zimmer hatte noch keine Reservierung, sodass wir es auch für die nächsten Tage buchen könnten und somit bis dahin eine Unterkunft in Santiago hätten. Den Weg zurück zum Bahnhof rannte ich. Es fing an zu regnen, aber das war mir egal. Unsere letzte Chance war es einen Platz in diesem Bus zu bekommen. Klitschnass kam ich an. Carlos grinste und winkte mir zu. Ich ignorierte ihn und ging sofort zum Schalter. Zwei Tickets für den Bus zum Flughafen Havana. Der Mann nahm unsere Pässe und meine Kreditkarte entgegen und füllte die Formulare für die Tickets aus. Gerade als er mir die fertigen Tickets durchreichen wollte, vibrierte mein Handy. Kevin hatte mir einen Screenshot geschickt. Es gab sehr wohl auch noch einen Bus am 08. August! Wütend hielt ich dem Mann den Screenshot ins Gesicht. “Wie, es gibt keine früheren Busse nach Havanna?”. Der Mann war sich keiner Schuld bewusst und fragte nur “Wollen Sie ihr Ticket für eines in diesem Bus tauschen?” “Ja!” Unsere Rückreise war gesichert! Beim Verlassen des Büros war nun ich diejenige, die grinste und Carlos zuwinkte. Ich stellte mich im Eingangsbereich des Bahnhofs unter, da der Regen noch immer noch nicht vorbei war. Ein älterer Herr verkaufte kleine Tütchen mit Crackern. Ich kaufte ihm zur Belohnung des Tages eines ab. Zurück in der Unterkunft fingen Tony, Grisel und Tonys Eltern an zu jubeln, als ich ihnen die Geschichte erzählte. Tonys Vater streckte seine Faust in die Luft und rief: “Du bist eine Kämpferin!”

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Anpassung des Wechselkurses

Da wir den Tag über noch nichts ordentliches gegessen hatten, gingen wir in eine Pizzeria in der Gegend. Eigentlich wollten wir Suppe essen, aber das gab es nirgends. Wenn man in Kuba in ein Restaurant geht, wird einem beim Reichen der Karte erklärt was es alles nicht gibt. Im heutigen Fall waren es Nudeln. Also bestellten wir beide Pizza mit dem als Belag, was es eben noch gab. In der Pizzeria hing an der Wand ein viel zu kleiner Käfig mit Papageien und wenn gerade der Strom funktionierte, wehten einem provisorisch an der Wand befestigte Ventilatoren Wind zu. Kevin fing es langsam an besser zu gehen, wir hatten Bustickets nach Havanna und wir hatten gelernt sparsam genug mit unserem Geld umzugehen, um bis zum Schluss durchzuhalten. In der Unterkunft rannte mir Grisel entgegen und zeigte mir auf ihrem Handy ein Foto von ihrem Fernseher. Im Nachrichtenprogramm wurde verkündet, dass die Wechselkurse angepasst werden würden: Ab morgen würde man in Banken nicht mehr einen Kurs von 1:25 sondern 1:119 bekommen. Das war besser als der Kurs auf dem Schwarzmarkt und genau das war wohl das Ziel der Regierung, denn durch den schlechten Kurs wurden wohl langsam die Devisen knapp. Vielleicht würden wir ja sogar in der Lage sein Geld zu diesem Kurs vom Automaten abzuheben. Das würde schlagartig alle Geldprobleme lösen. Ansonsten würde es sich aber auch lohnen 100€ umzutauschen, denn durch den guten Wechselkurs hätten wir dann ein paar nützliche zusätzliche Pesos in der Tasche.

Am nächsten Tag brach ich direkt früh morgens auf zur nächsten Bank. Dort war bereits eine lange Schlange, obwohl es noch dauern würde bis zur Öffnung. Mittlerweile war ich es gewohnt mich anzustellen. Ich merkte wie ich mich schlapp fühlte und es nun mein Hals war, der kratzig war. Während Kevin auf dem Weg der Besserung war, war ich nun diejenige, die anfing zu schwächeln. Ich durfte aber nicht krank werden! Ich war diejenige, die das Wasser besorgte. Diejenige, die alles organisierte. Diejenige, die spanisch sprach. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Schließlich öffnete die Bank. Eine Bankangestellte kam raus und fing an etwas zu brüllen. Ich konnte nicht ganz verstehen was es war, aber es schien nichts gutes zu sein, denn als die Frau vor mir das hörte, brach sie weinend zusammen. Alles war knapp auf Kuba, auch das Geld in den Banken. Bankautomaten funktionierten nur ein paar Stunden am Tag und es gab nicht genug Devisen um Dollar zu tauschen und die Karten für die MLC Stores aufzuladen. Wahrscheinlich hatte die Frau vor mir kein Guthaben mehr und nichts mehr zu Essen zu Hause. Ein Mann versuchte sie zu beruhigen, doch sie weinte immer weiter. Schließlich nahm er sie mit und sie entfernten sich aus der Schlange. Die Frau kam nicht mehr wieder. Ich fragte mich, ob ich hier überhaupt werde Geld tauschen können und bat Kevin herzukommen, damit er mir den Platz in der Schlange freihalten könne. Nach kurzer Zeit kam er her und ich ging nach vorne um die Bankangestellte, die vorhin noch etwas rumgebrüllt hatte, zu fragen. Nein, hier könne man heute kein Geld wechseln. Aber sie erklärte mir den Weg zu einer anderen Bank. Wir gingen dort hin und anstatt mich anzustellen fragte ich erneut direkt die Angestellten. Nein, hier könne man auch kein Geld wechseln, aber bei der Bank da drüben könnte ich es versuchen. Bei der vierten Bank klappte es schließlich und ich hatte 11.900 CUP in der Tasche. Wir wagten das Experiment an einen Bankautomaten zu gehen. Ich versuchte es erst mit meiner Karte, aber der Automat spuckte die wieder aus mit der Begründung der gewünschte Betrag sei zu hoch. Kevin versuchte daraufhin 1000 Pesos mit seiner Karte abzuheben. Auf der Quittung stand dann aber leider der schlechte Wechselkurs von 1:25. Das war eine teure Abhebung, aber immerhin waren wir nun einigermaßen gut bestückt mit Pesos. Wer weiß wie lange der Zustand mit dem guten Wechselkurs auch halten würde, denn auf dem Rückweg wurde uns bereits ein Kurs von 1:130 angeboten.

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Der Kampf um das Wasser

Alles ist knapp auf Kuba, aber am schlimmsten wird es beim Wasser. Es war ein tropischer Sommer mit Temperaturen von über 30°C und das Leitungswasser war natürlich absolut nicht zum Trinken geeignet. Man brauchte also abgefülltes Wasser aus Flaschen, doch das war gar nicht so leicht aufzutreiben. In den MLC Stores gab es weit und breit kein Wasser. Ich dachte manchmal an den Laden in Camagüey zurück, der voller Wasserflaschen war, aber der aufgrund der Stromausfälle konstant geschlossen war. Wasser gab es nur auf der Straße. Man musste sehr lange danach suchen, so musste ich manchmal den halben Tag durch die Hitze laufen bis ich irgendwo eine Wasserflasche sah. Wenn man Wasser fand, dann war es in den meisten Fällen auch noch absolut überteuert. Zum Glück hatte Tony Wasser gebunkert, das wir, wenn auch nur in kleinen Mengen, regelmäßig kauften. Neben unserem Zimmer, vermieteten Tony und Grisel noch ein weiteres, deutlich größeres Zimmer. Ein paar Tage nach unserer Ankunft zogen dort Mustafa und seine drei Kinder ein. Mustafa kam gebürtig aus Marokko, lebte aber schon seit langer Zeit in Kanada, wo er als Ingenieur arbeitete. Früher, in den guten Zeiten, hat er Kuba einmal mit einem Freund bereist. Das hat ihm so sehr gefallen, dass er nun nach der Pandemie noch einmal mit seinen Kindern herkommen wollte. Er fiel aus allen Wolken, als er realisierte wohin er seine Kinder mitgenommen hatte. Es gab kein Essen und kein Wasser und auch sonst nichts. Aufgrund ähnlicher Probleme mit dem Bargeld, wie wir sie hatten, beschloss er für seine Kinder lieber Essen zu kochen. Er dachte da an etwas einfaches wie Hähnchen mit Reis, fand jedoch nichts von beidem in einem der MLC Stores. Auf dem Schwarzmarkt wurde ihm schließlich Hähnchenfleisch angeboten, jedoch war es offensichtlich, dass das Fleisch verdorben war. Reis war selbst auf dem Schwarzmarkt nicht zu bekommen. Da gab er die Idee mit dem Kochen wieder auf.

Nach unserem Bank-Marathon kamen wir an einem MLC-Store vorbei und trauten unseren Augen nicht: Dort waren haufenweise Sixpacks mit Flaschen gestapelt. Die Flaschen sahen nicht genau so aus wie die Wasserflaschen, die wir kannten, aber sie waren von der gleichen Marke. Durch die Scheibe erkannte ich, dass da irgendetwas mit “Gas” drauf stand. Anscheinend war es also einfach nur das Wasser mit Kohlensäure. Vor dem Laden hatte sich bereits eine Menschentraube gebildet und ein Mann ließ eine Person nach der nächsten in den Laden. Wir stellten uns direkt ebenfalls an und dies war auch das Einzige Mal, wo auf mein Ultimo niemand antwortete. Hier ging es um Trinken, da gab es keine Ordnung, sondern da herrschte das Recht der Stärkeren und es wurde auch schamlos vorgedrängelt. Es dauerte ziemlich lange bis wir dran kamen (Kevin ist zwischenzeitlich in einen anderen MLC Store gegangen um ein bisschen Saft zu holen. Da wurde gerade Wurst geliefert was auch zu chaotischen Zuständen geführt hatte). Als wir dann endlich an der Reihe waren kauften wir schnell zwei Sixpacks für sage und schreibe 11€. Während wir die Sixpacks zur Unterkunft trugen, schaute ich mir die Flaschen noch einmal an. Ups! Da stand nicht Gas, sondern Gaseosa drauf. Wir hatten gerade 12 Flaschen stark gezuckerter Limonade gekauft! Mittlerweile hatten wir jedoch eine Denkweise wie die Kubaner*innen entwickelt und boten in der Unterkunft Limoflaschen im Tausch gegen Wasserflaschen an. Mustafa tauschte eine Flasche um für seine Kinder und Tony und Grisel nahmen auch eine Flasche. Somit sind wir immerhin an zwei Wasserflaschen gekommen, was für uns ein unglaublich guter Deal war.

In den nächsten Tagen sollte sich die allgemeine Wassersituation noch verschärfen. Natürlich sorgte sich Mustafa um seine Kinder und wollte, dass sie gerade bei den Temperaturen (vor allem wenn dank eines Stromausfalls mal wieder die Klimaanlage nicht funktionierte) ausreichend trinkten. Das meiste Bargeld was er hatte, investierte er also in Wasserflaschen für die Kinder, jedoch waren auch Tonys gebunkerte Vorräte endlich und so kam es, dass ihm das Wasser ausging. Dies verschlechterte die Situation von einem Schlag auf den anderen enorm. Wir waren nun auf das überteuerte Wasser mit dem auf der Straße gehandelt wurde angewiesen. Kevin war noch immer nicht zu 100% fit und auch ich kränkelte etwas, aber ich konnte mir keine Schwäche erlauben und bin somit trotzdem, manchmal sogar mehrfach am Tag, losgezogen um Wasser zu finden. Zumindest kannte ich somit nach kurzer Zeit jeden Winkel der Stadt. Irgendwie war es ja noch immer Urlaub und vielleicht war es aus psychologischer Sicht beruhigend sich einzureden, dass man so wenigstens noch etwas Sightseeing hatte. Während in Cienfuegos das Wasser noch 40 CUP gekostet hatte, waren ich in Santiago froh, wenn ich irgendwo eine Flasche für 200 CUP auftreiben konnte. Ich konnte mir das leisten, doch bei Tony sah das anders aus. Ich berichtete ihnen von den Orten an denen Wasser verkauft wurde, aber 200 CUP war zu viel Geld für die Beiden. So kochten sie sich Kaffee oder Tee und aßen Früchte um an Flüssigkeit zu kommen. Irgendwann reichte es mir und ich drückte ihnen welche unserer Limoflaschen in die Hand, damit sie wieder etwas zu trinken hatten. Auch Mustafa bekam nun welche unserer wertvollen Limoflaschen geschenkt, denn seine Kinder waren natürlich durstig.

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Was das Essen anging, so hatten wir Glück, dass es in der Nähe ein paar günstige Essensoptionen gab. Aus einem Hauseingang heraus verkaufte ein Mann für 5 CUP Kaffee, Saft und Yucca-Bällchen. Nach ein paar Tagen kannte er mich schon und lächelte mir jedes Mal freudig zu, wenn er mich sah. Außerdem gab es ein günstiges Restaurant mit einer hübschen Dachterrasse. Sie konnten vielleicht nur 1-2 Gerichte von ihrer Karte servieren, die sich je nach Zutaten-Lage von Tag zu Tag sehr stark unterschieden, aber es gab sehr leckere frische Säfte und auf der Dachterrasse war eine Katzenmama mit einem kleinen Kätzchen. Wir ließen immer gewollt ein paar Stückchen Fleisch auf den Boden fallen, damit die Beiden genug zu Essen hatten, denn alle litten unter der Situation in Santiago und in ganz Kuba.

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Ein Hauch von Urlaub

Wir waren lange genug im Land, um uns so langsam an gewisse Sachen gewöhnt zu haben. Im Badezimmer wohnte zum Beispiel eine Kakerlake. Das war kein seltener Anblick auf Kuba. Statt also auszuflippen, beschloss ich die Kakerlake einfach Carlos zu nennen (es gibt wirklich keinen passenderen Namen für eine schäbige Kakerlake!) und begrüßte sie von da an jeden Morgen. Man sah auch Ratten, sowohl lebendige als auch tote und überall auf den Straßen lag Müll. Wenn einem von dem Gestank des Mülls nicht schon schlecht wurde, dann aber von dem konstanten Dieselgeruch, denn die ach so tollen Oldtimer produzierten. Ja, die Situation in Kuba war schlimm, vor allem hier in Santiago. Dennoch waren wir im Urlaub und da wollte ich zumindest ein bisschen sehen. Auf meinen Scouting-Touren auf denen ich Ausschau hielt nach bezahlbaren Wasserflaschen, habe ich ja bereits einiges von der Stadt gesehen, aber es gab noch ein paar Bereiche, die mir fremd waren. Bei der Einfahrt in Santiago mit dem Bus haben wir das Monumento a Antonio Maceo Grajales passiert. Ein absolut gigantisches Monument auf dem Plaza Antonio Maceo Grajales. Beim genaueren Betrachten der Karte viel mir auf, dass sich dieser Platz an der Spitze eines Art Dreiecks befand, welches die Straßen Avenida de Los Libertadores, Avenida Las Américas und Avenida Victoriano de Garzón bildeten. Das Dreieck war etwas über 5km groß und ich beschloss es einmal komplett abzulaufen. Neben dem besagten imposanten Monument, passierte ich dabei noch den Parque Histórico Abel Santamaria mit seiner sowjetischen Architektur, der ein schweres würfelförmiges Denkmal in seiner Mitte beinhaltet. Außerdem passierte ich ein Stadion in dem gerade eine feierliche Hymne abgespielt wurde. Es schienen kaum Leute drin zu sein, vielleicht war es nur eine Probe. Als ich durch eine typische Plattenbausiedlung ebenfalls sowjetischer Bauart durch lief, sah ich einen Straßenverkäufer, der frische Mangos verkaufte und beschloss eine zu kaufen. Obst war etwas bei dem man sich darauf verlassen konnte, dass es in Kuba vorhanden war und günstig war. Die Mangos waren dabei verdammt gut und riesengroß. Außerdem lieferten Früchte natürlich auch Flüssigkeit.

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An einem anderen Tag, Kevin ging es endlich besser und auch ich schien das Schlimmste überstanden zu haben, gingen Kevin und ich zur Promenade von Santiago. Dort gab es eine hübschen kleinen Turm mit einer Uhr und die Buchstaben “CUBA” waren für Fotos aufgestellt. Gäbe es die Kriese nicht, so wäre dies ein hübscher Ort. Es gab einige Stände (an einem haben wir sogar Wasser für 200 CUP gefunden) und einen kleinen Sportbereich mit Fitnessgeräten, der aber verlassen wirkte.

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Unser größter Ausflug war wohl unser Ausflug zum Catillo del Morro, einer alten Festung in der Bucht von Santiago, die als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt wurde. Dort in der Nähe sollte sich auch ein Strand befinden, an dem wir nochmal baden wollten. Eigentlich wollten wir da zusammen mit Mustafa und den Kindern hin, aber denen ist am frühen Morgen etwas dazwischen gekommen, sodass sie nachkommen wollten. Auf die Busse in Kuba ist kaum Verlass, aber es gibt Camiones, LKWs in deren Ladefläche jemand zur Personenbeförderung Sitze montiert hatte. Wir ließen uns von Grisel alles erklären und nahmen einen Camion nach Antonio Maceo von wo aus wir zur Festung zu Fuß weiter laufen mussten. Der Camion kam auch wie erwartet an der entsprechenden Haltestelle an und wir stiegen ein. Es war rappelvoll und bei jeder Haltestelle stiegen noch mehr Leute dazu. Darunter waren viele junge Leute, die anscheinend zu dem besagten Strand wollten. Da die Ladefläche eines LKWs normalerweise nicht für den Personentransport gedacht war, war es nach kurzer Zeit auch unglaublich stickig. Alles in allem war die Fahrt alles andere als angenehm, aber zugegeben hatte ich in den Regionalbahnen in NRW schon schlimmeres erlebt.

Wie geplant kamen wir an der Haltestelle an und stiegen mit einer ganzen Traube an Leuten aus, die wie erwartet zum Strand wollten. Vielleicht waren wir noch etwas verwöhnt von Rancho Luna, dem tollen Strand in Cienfuegos, aber dieser Strand sah wirklich nicht gut aus. Er war sehr klein, es gab keine Schattenplätze und er war ziemlich schmutzig. Wir beschlossen nach unserem Besuch in der Festung doch nach Hause zu fahren. Aber erst einmal mussten wir bei der Festung ankommen. Wir waren die ersten, die direkt zur Öffnung da waren. Vor der Festung waren einige Souvenirläden, die aber alle noch geschlossen waren. In der Festung begrüßte man uns erstaunlich freundlich (nein, das ist auf Kuba wider Erwarten keine Selbstverständlichkeit). Während wir die Festung weiter erkunden, sprach uns eine freundliche Reinigungsdame an und zeigte uns den Weg zu einem wirklich schönen Aussichtspunkt. Später kamen doch noch mehr Besucher zum Castillo, allerdings keine Touristen, sondern lediglich einige kubanische Familien und eine Schulklasse einer Militärschule, alle brav in Militäruniformen gekleidet.

Auf dem Rückweg machten wir dann doch in einem Souvenirgeschäft halt, da man dort anscheinend mit Karte zahlen konnte. Und was am besten war: Sie hatten Wasserflaschen! Die waren zwar extra-teuer, aber wir mussten kein Bargeld dafür verwenden! Die Gelegenheit nutzten wir aus, um uns direkt auch mit Souvenirs für unsere Familien einzudecken. Leider war der Empfang des Kartenlesegerätes so schlecht, dass die Kartenzahlung erst beim gefühlt zwanzigsten Anlauf geklappt hat, aber am Ende hatten wir Wasser und Souvenirs und das mit dem gleichen Betrag an Bargeld in unserer Tasche wie zuvor.

Während wir wieder den Weg zurück liefen sahen wir den Camion hinten halten. Wir rannten hin und der Fahrer wartete extra auf uns, sodass wir noch schnell einsteigen konnten. Die Rückfahrt war deutlich angenehmer, da der Wagen nun nicht mehr so voll war. Einzig und allein eine Gasflasche, die durch den Bus rollte, bis der Schaffner sie mit seinen Füßen festhielt, war etwas besorgniserregend. Während wir bereits auf dem Rückweg waren, bekamen wir von Mustafa die Nachricht, dass er und die Kinder nun beim Castillo waren. Wir hatten uns also knapp verpasst. Zum Glück waren Kevin und ich aber so zeitig da, denn wie sich herausstellte, fuhr später kein Camion mehr zurück und Mustafa musste mit den Kindern 2 Stunden zurück zur Unterkunft laufen. In der Stadt herrschte währenddessen mal wieder ein Stromausfall.

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Matanzas brennt!

Ich war gerade im Zimmer, als Grisel mich rief: “Nathalie, komm schnell! Etwas schlimmes ist passiert!” Sofort rennte ich raus und Grisel winkte mich zu sich zum Fernseher auf dem ein großes Feuer zu sehen war. In Matanzas war ein Blitz in einen Öltank eingeschlagen und dieser stand nun lichterloh in Flammen. Dies würde das Land vor weitere Probleme stellen: Durch das fehlende Öl würde es zu noch mehr Stromausfällen kommen, ganz zu Schweigen davon, was so ein Brand für die Umwelt bedeutete. Eine große Rauchwolke zog in Richtung Havanna und ich hoffte nur, dass wir dort gut ankommen würden und dass unser Flieger auch wirklich abfliegen könnte. Matanzas blieb auch nach unserer Rückkehr eines der dominierenden Themen in Kuba und erst nach sechs Tagen schaffte man es das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Der Botanische Garten

An unserem letzten vollen Tag wollten wir einen Abstecher zum botanischen Garten machen. Hierfür mussten wir ein Taxi nehmen, jedoch konnten wir online nirgends nachlesen, ob der Garten an einem Sonntag überhaupt geöffnet hatte. Auch Grisel wusste nicht ob der Garten geöffnet war oder nicht und gab uns den Tipp an der Rezeption vom Hotel Casa Granda, einem 4-Sterne Hotel direkt am Céspedes Park, nachzufragen, da sie manchmal Touren zum botanischen Garten anboten. Ja, der botanische Garten habe geöffnet, versicherte mir die Frau an der Rezeption. Ich ging also zum nächsten Taxi und der bot uns sogar einen guten Preis an um uns zum botanischen Garten zu bringen, dort auf uns zu warten und dann wieder zurück zu fahren. Beim botanischen Garten kam dann die Ernüchterung: Er war geschlossen. Nein, so schnell gab ich mich nicht geschlagen! Im Vorgarten des Nachbarhauses saßen Leute. Ich ging zum Zaun und rief ihnen zu. Einer der Männer kam zu mir und ich fragte, ob es eine Möglichkeit gäbe in den botanischen Garten zu gelangen. Im Hotel Casa Granda hätte man uns versichert er sei geöffnet und dies sei unser letzter Tag in Santiago. Wenn wir ihn heute nicht sehen würden, dann nie. Er lächelte mir zu, zückte sein Handy und gab mir ein Zeichen kurz zu warten. Kurz darauf kam ein Mann aus dem Eingang des botanischen Gartens raus und winkte uns zu. Wie sich herausstellte kannte der Mann den ich um Hilfe gebeten hatte den Wächter des botanischen Gartens, der im Garten selber wohnt. Er hatte ihn angerufen und ihm alles erzählt. Daraufhin schloss der Wächter extra für uns den Garten auf uns wir hatten nicht nur den ganzen Garten für uns alleine, sondern er gab uns sogar eine private Führung. Es schien ihn zu freuen, dass sich Leute für den Garten interessierten und so nahm er sich Zeit uns die unterschiedlichen Pflanzen zu erklären. Von allen Ausflügen in Santiago war dies mit Abstand der Beste! Das absolute Highlight war dann eine große Landschildkröte, die ihr Gehege im Park hatte. Der Wächter hatte sie einst in seiner Hemdtasche aus Venezuela mitgebracht und seitdem lebt sie in diesem Park. Wir bedankten und mehrfach beim Wächter und waren uns nicht zu schade etwas von unserem Bargeld für ein wohlverdientes Trinkgeld herzugeben. Hinter uns schloss der Wächter den Eingang wieder zu und winkte uns hinterher.

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Am Grab von Fidel Castro

Da unser Bus nach Havana erst am Abend abfahren sollte, konnten wir den Abend noch voll nutzen. Mustafa empfahl uns den Cementerio Santa Ifigenia anzuschauen. Zahlreiche große Persönlichkeiten Kubas wurden hier beigesetzt, von denen Fidel Castro wahrscheinlich der bekannteste ist. Schon die unmittelbare Umgebung des Friedhofs wirkte ganz anders als der Rest des Landes: Die Häuser waren neu und die Straßen waren sauber. Es fühlte sich nicht an wie Kuba. Neben dem eigentlichen Eintritt musste man auch dafür zahlen, dass man Fotos machen darf. Wir erwarben eine Fotolizenz und machten uns auf den Friedhof mit seinen reichen Marmorgräbern zu erkunden. Der Personenkult war hier sehr deutlich spürbar. Alle 30 Minuten gab es einen Wechsel der Wachen. Dann war es verboten zu sitzen. Alle mussten stehen und ruhig sein. In einer feierlichen Prozession, ähnlich wie dem Wechsel der Wachen am Buckingham Palace in London, kamen die neuen Wachen aus einem Häuschen in dem die alten verschwanden, während Marschmusik aus Lautsprechern erklang. Es war interessant anzusehen und doch hatte alles was irgendwie aufgehübscht oder ordentlich war in Kuba einen gewissen Beigeschmack, weil auf dem Rest der Insel nichts hübsch und ordentlich war.

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Den restlichen Tag verbrachten wir mit Lesen und ausruhen. Schließlich verabschiedeten wir uns von Mustafa und später dann schließlich auch von Tony und Grisel. Ich wünschte wir hätten die beiden nach Deutschland in ein besseres Leben mitnehmen können. Sie hätten es mehr als verdient!

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