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Buch Review: “Final Fantasy VII: The Kids are alright: Eine Turks-Nebenquest”

Heute will ich mal wieder eine Buch-Review schreiben und es handelt sich um das Werk “Final Fantasy VII: The Kids are alright: Eine Turks-Nebenquest” welches im März 2021 auf Deutsch erschien. Das japanische Originalbuch von Kazushige Nojima erschien bereits 2011. Warum hat sowohl die englische als auch deutsche Veröffentlichung solang auf sich warten lassen, wenn der andere Roman “Final Fantasy VII: Der Blick nach vorn” innerhalb kürzester Zeit übersetzt wurde? Die Antwort ist einfach: Der Grund ist “Final Fantasy VII Remake”. Die Neuauflage des Hauptspiels kam 2020 raus und um das Spiel mit neuen Inhalten zu füllen, hat man sich an Inhalten dieses Buchs bedient – doch auf Verbindungen zwischen den Medien möchte ich später eingehen. Zuerst ein paar Worte zu der Handlung und zum Schreibstil des Buches.

Handlung (ohne Spoiler)

Im Gegensatz zu dem anderen Final Fantasy VII Roman “Der Blick nach vorn” handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine zusammenhangslose Aneinanderreihung von Kurzgeschichten von verschiedenen Charakteren, sondern hier wird die Geschichte des (eher Möchtegern) Detektiven “Evan Townshend” erzählt. Dieser ist in den höheren Bezirken von Midgar aufgewachsen, aber durch die Ereignisse des Hauptspiels hat es ihn in die Slums verschlagen, wo er mit Kyrie Canaan ein Detektivbüro leitet. Um in den Slums zu überleben hat er neben Kirie verschiedene Freunde gewonnen, die ihm helfen über die Runden zu kommen. Hierzu zählt unter anderem auch Leslie Kyle, der ein früherer Lakai von Don Corneo war, oder Johnny, der eine neue Bar führt.

Durch verschiedene Begebenheiten und einen neuen Detektivfall erfährt Evan mehr über seine Vergangenheit und kommt dadurch auch in Konflikt mit den Turks, der Spezialeinheit des ehemaligen Shinra-Konzerns. Bekannte Charaktere wie Reno, Rude, Rufos, Tseng oder Elena sind deshalb auch in die Geschichte involviert. Andere Charaktere aus der früheren Heldentruppe wie Cloud und Tifa haben ebenfalls kleinere Gastauftritte.

Die Handlung wird durch verschiedene Ereignisse, die durch das Hauptspiel und den Film “Advent Children” bekannt sind, voran getrieben und erzählt dabei sehr nachvollziehbar Evans Gedanken und Handlungsmotive. Was am Anfang aber noch sehr detailliert beschrieben wird, wird gegen Ende leider ziemlich schnell abgespeist – fast schon vergleichbar mit dem Final Fantasy 7 Hauptspiel selber, wo ein Großteil der Handlung in Midgar spielt und danach andere Orte eher kurzweilig durchreist werden. Dadurch wirkt das Ende leicht unbefriedigend, besonders da man mehr zur Überleitung zum Film “Advent Children” erwarten würde. Im Allgemeinen wird man wohl auch nur seinen Spaß mit dem Buch haben, wenn man vorher sowohl das Final Fantasy VII Hauptspiel gespielt und den Film “Advent Children” gesehen hat, weil man sonst viele Referenzen einfach nicht verstehen wird. Andererseits ergänzt das Buch die Lücke gut zwischen den beiden Medien, da bei der Erzählung von Evans Geschichte viele Dinge aufgeklärt werden, über die man vorher kaum etwas erfahren hat. So erfährt man zum Beispiel einiges über die Stadt “Edge” oder wie das Monument von Shinra zu Stande kam.

Schreibstil

Das Buch hat ca. 400 Seiten und unzählig viele betitelte Kapitel, die alle um die 2 bis 10 Seiten lang sind. Der Großteil der Kapitel wird aus der Ich-Perspektive des Hauptcharakters Evan beschrieben, während alle anderen meistens nur in der dritten Person aus der Perspektive eines der Turks-Mitglieder erzählt werden. Dabei ist der Erzählungsstil weder langweilig, noch sonderlich herausragend, wird aber interessant durch die Erzählweise von Evan. Dieser beteuert schon am Anfang (wie als ob er in ein Tagebuch schreibt und zu der Leserin oder dem Leser spricht), dass nicht alle seine Aktionen nachvollziehbar sein werden und er auch kein typischer “Held” ist. Obwohl das sicher nur ein stilistisches Mittel ist, welches man wohl auch oft bei anderen Roman liest, wirkt es hier doch sehr echt. Die Dialoge mit Evan und seinen Freunden laufen sehr natürlich und wirken wenig geskriptet, sodass oft auch nicht immer sofort klar wird, was in den Gesprächen eigentlich gemeint ist. Dennoch versteht man auf kurz oder lang aber die Situationen, was einem aber wohl schwieriger fallen wird, wenn man nicht einen Großteil der Charaktere aus den anderen Spielen, Filmen und Romanen kennt.

Verbindungen

Wenn man sich mit einem Eintrag über das Final Fantasy Franchise befasst, besonders wenn es sich um Teil 7 der Serie handelt, kommt man nicht drum rum von den Verbindungen zu den anderen Medien zu erzählen. Doch bevor ich hier auf einzelne Events und Charaktere eingehe, möchte ich in folgender Übersicht noch einmal aufzeigen, welche größeren Medien von Final Fantasy 7 existieren und wie diese in die Geschichte chronologisch herein passen als auch wann sie eigentlich erschienen sind. In Klammern schreibe ich noch dazu, auf welcher Plattform diese erschienen sind. Natürlich ist mir klar, dass viele davon auch später noch auf PC oder anderen Konsolen veröffentlicht wurden, aber aus Platzgründen gebe ich hier nur die primäre Plattform an, wo das Medium zuerst erschienen ist.

Titel und Medium
(geordnet nach Handlungsfaden)
Veröffentlichung in
Japan (Deutschland)
Final Fantasy VII: Before Crisis (Handy)2004 (-)
Final Fantasy VII: Crisis Core (PSP)2007 (2008)
Final Fantasy VII: Last Order (Anime OVA)2005 (-)
Final Fantasy VII (PS1)1997 (1997)
Final Fantasy VII: Remake (PS4)2020 (2020)
Final Fantasy VII: Der Blick nach vorn (Buch)2009 (2011)
Final Fantasy VII: Auf dem Weg zu einem Lächeln - Episode: Denzel (Anime OVA)2009 (2010)
Final Fantasy VII: The Kids are alright: Eine Turks-Nebenquest (Buch)2011 (2021)
Final Fantasy VII: Advent Children (DVD Film)2005 (2006)
Final Fantasy VII: Advent Children (Director's Cut, BluRay Film)2009 (2010)
Final Fantasy VII: Dirge of Cerberus2006 (2006)

Natürlich gibt es noch viele weitere Ableger des FF7-Universums, wie “Final Fantasy VII G-BIKE” (Smartphone), aber weder kamen diese global raus noch kann ich etwas sinnvolles dazu berichten. Dennoch würde ich trotzdem Kingdom Hearts erwähnen. Dieses hatte zwar direkt keinen Einfluss auf die Final Fantasy VII Ableger, indirekt aber schon, weil hier zum ersten mal für Cloud, Aerith, Yuffie und Sephiroth (mehr oder weniger auch im japanischen und englischen Raum) eine Synchronstimme festgelegt wurde. Diese waren so gut, dass man sie mit den gleichen oder ähnlichen Sprechern auch für den Film Advent Children als auch dem späteren Remake verwendet hat. Aber zurück zum Final Fantasy VII Universum selber…

Wie bereits am Anfang erwähnt, kam das Buch nicht ohne Grund zeitnah zum Remake heraus. Es liegt an den neuen Charakteren wie Kirie, Leslie und Johnny. Während diese im damaligen Hauptspiel von 1997 und auch im Film “Advent Children” von 2015 nicht existiert haben (oder zumindest namentlich nicht erwähnt wurden), hat man sie als neue Mainquest bzw. größere Sidequest-Charaktere im Remake eingebunden. Das seltsame an der Sache ist, dass sie in dem Buch zum ersten mal in der Story 2 Jahre nach dem Hauptspiel existieren, aber im Remake praktisch 2 Jahre zuvor eingebunden wurden. Hier stehen also die chronologische Veröffentlichung der Medien zur zeitlichen Einführung in der Story vom Universum im Kontrast. Dennoch hat man es geschafft die Verbindungen so elegant zu setzen, dass nur wenige oder gar keine Konflikte dabei entstehen.

Fazit

Als ich erfuhr, dass ein neuer Roman zum Final Fantasy VII Franchise rauskommt, habe ich mir diesen schnell zugelegt und innerhalb weniger Tage durchgelesen. Mit erstaunen musste ich auch feststellen, wie gut dieser ebenfalls aus der Sicht des Hauptcharakters geschrieben ist und wieviele Inhaltslücken er sogar in dem Universum von Final Fantasy VII geschlossen hat. Dennoch war ich leicht enttäuscht, wieviel Fahrt die Story gegen Ende aufnimmt und dann leicht unbefriedigend ausklingen lässt. Das Buch ist ein Muss für jeden Fan der Serie. Andere Personen werden wohl nicht viel mit dem Wälzer anfangen können.

Meine Bewertung: ★★★★☆

  • gelungene Handlung im Final Fantasy VII Universum
  • erklärt viele Ereignisse zwischen dem Hauptspiel und dem Film “Advent Children”
  • sympathischer Hauptcharakter mit interessanten und natürlichen Dialogen
  • die Erzählgeschwindigkeit wird gegen Ende zu schnell
  • leider außer am Anfang keine weiteren Illustrationen
  • praktisch nur verständlich, wenn man das Hauptspiel und ggf. den Film gesehen hat